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Silver Surfer, Bd. 1: Ein Brett für zwei


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Rezension von

Frank Drehmel

Ein Brett für zwei Im Jahr 1966 erschufen die beiden Comic-Koryphäen Jack Kirby und Stan Lee mit dem Silver Surfer eine Figur von ikonischer Kraft, ein kosmisches Wesen, das auf einem silbernen Surfbrett als Herold des Weltenverschlingers Galactus durchs Universum reist, auf Suche nach Nahrung für seinen Herren. Schon unmittelbar nach seinem ersten Auftritts in Fantastic Four #48 sprengte der Surfer nicht nur die bis dahin üblichen Gut-Böse-Schemata, sondern zeichnete sich auch durch eine tiefe Tragik, einen quasi-göttlichen Pathos sowie durch eine zeichnerische Eleganz aus. Rund 50 Jahre nach seiner Erschaffung muss man nun konstatieren, dass Autor Slott und Zeichner Allred den Mythos, die Figur mit vereinten Kräften erzählerisch wie künstlerisch geradezu zertrümmert haben. Doch beginnen wir am Anfang: Der Surfer streift als Kosmotrotter durchs All, rette hie und da einige Spezies und wird aus heiterem Vakuum von zwei launigen Drohnen kontaktiert, die ihn einladen, Impericon zu retten. Dieser Ort soll laut eigenem Marketing das größte Wunder in Raum und Zeit sein, ein künstlicher Palast-Planet, geschützt von unvorstellbarer Technologie selbst vor den Herolden Galactus', ein Planet, der ganz dem Vergnügen jeglicher Couleur gewidmet ist. Bedauerlicherweise möchte – laut Bekundung des Zweifelnden Zed - die Never Queen angeblich eben jenen Ort der Freude und der Wunder vernichten, und der Surfer soll sie daran hindern. Weigerung ist keine Option, da das eine irdische Geisel – eine junge Frau namens Dawn – das Leben kosten würde. Und so zieht der Surfer in eine Schlacht gegen eine kosmische Entität, die allerdings ganz anders läuft, als er und der Zweifelnde Zed es sich vorgestellt haben, denn der Surfer muss erkennen, dass sein und Dawns Schicksal auf subtile Weise verbunden sind und die junge Frau in der Gefangenschaft erstaunliche Fähigkeiten an den Tag legt. Schlussendlich müssen sich beide gemeinsam der Rettung der Realität widmen, selbst wenn das Impericons Untergang bedeutet. Zurück auf der Erde wartet eine weitere Aufgabe auf die beiden Heroen: die Erde droht in einem Albtraum unterzugehen bzw. von albtraumhaften Wesen überrannt zu werden. Der Verursacher des Ganzen ist schnell ausgemacht: Nightmare, der Herr der Albträume. Doch Nightmare ist selbst ein Schläfer und Gefangener in seiner eigenen Traumwelt. Zwar habe ich oben die Zertrümmerung eines Mythos' an die Wand gemalt, doch das soll mich nicht daran hindern, fair zu bleiben: Dan Slotts Story ist in Teilen phantasievoll, erfrischend surreal und transportiert einen gewissen „Sense of Wonder“, eine leichte, märchenhafte Tiefe, die zumindest mich an gute alte Sandman-Zeiten erinnert. Nur reicht dieses eben nicht aus, um dem klassischen Surfer gerecht zu werden, denn erstens sind sämtliche Text-Passagen sprachlich so einfach gestrickt, dass selbst kleinere Kinder sie problemlos verstehen, wobei insbesondere die Dialoge zudem oftmals grenzwertig soapig daherkommen. Zweitens wird der Surfer tendenziell als naiv und unerfahren gezeichnet, mit einem Hang zum verspielten Posing und einem kalauernden Spruch auf den silbernen Lippen, der eher einem Spidey gerecht würde, als einem kosmischen Herold, der unendlich viel Leid erlebt, gesehen und verursacht hat. Kein Pathos, keine Schwere, Moral, Ernsthaftigkeit, keine Märtyrer-Posen, stattdessen ein launiger, seltsam bizarrer Antrittsbesuch bei Dawns Familie, einschließlich gemeinsamen Fischsuppeessen. Hat die Geschichte noch ihre Momente, so ist das Artwork ein Augengraus. Mit Michael Allred zeichnet ein Künstler verantwortlich, der vom Backcovertext-Autor als Pop-Art-Meister gepriesen wird. Wenn man das Popartige an den fiesen fetten schwarzen Konturen – die maskenhaft kayalumrandeten Augenpartien mehrerer Protagonisten sind dabei noch das kleinste Ärgernis -, die Allred seinen Figuren verleiht, Konturen, die einerseits statisch, andererseits aus dem Bildraum herausgelöst wirken, dann mag diese Klassifizierung möglicherweise sogar vertretbar sein, comicmeisterhaft ist es jedenfalls nicht, denn in Verbindung mit der unterm Strich zwar angenehm weichen, jedoch unaufdringlichen Koloration, die bedauerlicherweise eine eklatante Schwäche in den Nonmetal-Metal-Effekten der silbernen Haut des Surfers aufweist, beraubt das die Figur jeglicher visueller Eleganz, die den Surfer einst auszeichnete Fazit: Ist die Story noch vergleichsweise originell und surreal – wenn auch nicht sonderlich schwergewichtig - , so scheinen das Artwork und die Texte ganz auf Kinder als Rezipienten zugeschnitten und berauben die Figur ihrer Vergangenheit, ihrer Tragik, ihres Pathos und Ambivalenz, trivialisieren sie zu einem weiß-blauen Helden, der dank kosmischer Kraft den Abwasch mit einer Geste erledigt.

Im Jahr 1966 erschufen die beiden Comic-Koryphäen Jack Kirby und Stan Lee mit dem Silver Surfer eine Figur von ikonischer Kraft, ein kosmisches Wesen, das auf einem silbernen Surfbrett als Herold des Weltenverschlingers Galactus durchs Universum reist, auf Suche nach Nahrung für seinen Herren. Schon unmittelbar nach seinem ersten Auftritts in Fantastic Four #48 sprengte der Surfer nicht nur die bis dahin üblichen Gut-Böse-Schemata, sondern zeichnete sich auch durch eine tiefe Tragik, einen quasi-göttlichen Pathos sowie durch eine zeichnerische Eleganz aus.

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Rund 50 Jahre nach seiner Erschaffung muss man nun konstatieren, dass Autor Slott und Zeichner Allred den Mythos, die Figur mit vereinten Kräften erzählerisch wie künstlerisch geradezu zertrümmert haben. Doch beginnen wir am Anfang:

Der Surfer streift als Kosmotrotter durchs All, rette hie und da einige Spezies und wird aus heiterem Vakuum von zwei launigen Drohnen kontaktiert, die ihn einladen, Impericon zu retten. Dieser Ort soll laut eigenem Marketing das größte Wunder in Raum und Zeit sein, ein künstlicher Palast-Planet, geschützt von unvorstellbarer Technologie selbst vor den Herolden Galactus', ein Planet, der ganz dem Vergnügen jeglicher Couleur gewidmet ist. Bedauerlicherweise möchte – laut Bekundung des Zweifelnden Zed - die Never Queen angeblich eben jenen Ort der Freude und der Wunder vernichten, und der Surfer soll sie daran hindern. Weigerung ist keine Option, da das eine irdische Geisel – eine junge Frau namens Dawn – das Leben kosten würde.

Und so zieht der Surfer in eine Schlacht gegen eine kosmische Entität, die allerdings ganz anders läuft, als er und der Zweifelnde Zed es sich vorgestellt haben, denn der Surfer muss erkennen, dass sein und Dawns Schicksal auf subtile Weise verbunden sind und die junge Frau in der Gefangenschaft erstaunliche Fähigkeiten an den Tag legt. Schlussendlich müssen sich beide gemeinsam der Rettung der Realität widmen, selbst wenn das Impericons Untergang bedeutet.

Zurück auf der Erde wartet eine weitere Aufgabe auf die beiden Heroen: die Erde droht in einem Albtraum unterzugehen bzw. von albtraumhaften Wesen überrannt zu werden. Der Verursacher des Ganzen ist schnell ausgemacht: Nightmare, der Herr der Albträume. Doch Nightmare ist selbst ein Schläfer und Gefangener in seiner eigenen Traumwelt.

Zwar habe ich oben die Zertrümmerung eines Mythos' an die Wand gemalt, doch das soll mich nicht daran hindern, fair zu bleiben: Dan Slotts Story ist in Teilen phantasievoll, erfrischend surreal und transportiert einen gewissen „Sense of Wonder“, eine leichte, märchenhafte Tiefe, die zumindest mich an gute alte Sandman-Zeiten erinnert. Nur reicht dieses eben nicht aus, um dem klassischen Surfer gerecht zu werden, denn erstens sind sämtliche Text-Passagen sprachlich so einfach gestrickt, dass selbst kleinere Kinder sie problemlos verstehen, wobei insbesondere die Dialoge zudem oftmals grenzwertig soapig daherkommen. Zweitens wird der Surfer tendenziell als naiv und unerfahren gezeichnet, mit einem Hang zum verspielten Posing und einem kalauernden Spruch auf den silbernen Lippen, der eher einem Spidey gerecht würde, als einem kosmischen Herold, der unendlich viel Leid erlebt, gesehen und verursacht hat. Kein Pathos, keine Schwere, Moral, Ernsthaftigkeit, keine Märtyrer-Posen, stattdessen ein launiger, seltsam bizarrer Antrittsbesuch bei Dawns Familie, einschließlich gemeinsamen Fischsuppeessen.

Hat die Geschichte noch ihre Momente, so ist das Artwork ein Augengraus. Mit Michael Allred zeichnet ein Künstler verantwortlich, der vom Backcovertext-Autor als Pop-Art-Meister gepriesen wird. Wenn man das Popartige an den fiesen fetten schwarzen Konturen – die maskenhaft kayalumrandeten Augenpartien mehrerer Protagonisten sind dabei noch das kleinste Ärgernis -, die Allred seinen Figuren verleiht, Konturen, die einerseits statisch, andererseits aus dem Bildraum herausgelöst wirken, dann mag diese Klassifizierung möglicherweise sogar vertretbar sein, comicmeisterhaft ist es jedenfalls nicht, denn in Verbindung mit der unterm Strich zwar angenehm weichen, jedoch unaufdringlichen Koloration, die bedauerlicherweise eine eklatante Schwäche in den Nonmetal-Metal-Effekten der silbernen Haut des Surfers aufweist, beraubt das die Figur jeglicher visueller Eleganz, die den Surfer einst auszeichnete

Fazit: Ist die Story noch vergleichsweise originell und surreal – wenn auch nicht sonderlich schwergewichtig - , so scheinen das Artwork und die Texte ganz auf Kinder als Rezipienten zugeschnitten und berauben die Figur ihrer Vergangenheit, ihrer Tragik, ihres Pathos und Ambivalenz, trivialisieren sie zu einem weiß-blauen Helden, der dank kosmischer Kraft den Abwasch mit einer Geste erledigt.

geschrieben am 11.09.2015 | 672 Wörter | 4116 Zeichen

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