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Eva Besnyö 1910-2003


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Rezension von

Matthias Pierre Lubinsky

Eva Besnyö 1910-2003 Eva Besnyös Vater hatte ihr Talent als Photographin erkennt – und förderte es. Auch wenn er eigentlich gewollt hatte, dass seine Tochter studiert. Er schenkte ihr mit 19 Jahren die wegweisende Publikation Die Welt ist schön von Albert Renger-Patzsch und eine Rolleiflex. Diese heute legendäre zweiäugige Spiegelreflexkamera war gerade im Frühjahr desselben Jahres 1929 auf den Markt gekommen. Die Photographie-Besessene junge Frau streifte durch ihre Heimatstadt Budapest und sah die Umgebung durch das Kameraauge: »Am Anfang war es das reine Vergnügen zu sehen, zu tun und sich zu freuen. Ich war total unvoreingenommen«, beschrieb sie Jahrzehnte später in einem Interview-Buch ihre anfängliche Einstellung. Und weiter: »nun war ich dabei, die Stadt in einer Weise zu erfahren, und auszuprobieren, die völlig neu für mich war(...) Es spielte sich zwischen mir und der Kamera ab. Ich hatte nur ein Verlangen, eine gute Fotografin zu sein.« Ihre von damals erhaltenen Bilder zeugen von ihrem besonderen Blick: Das Alltägliche wird durch den beobachteten Moment und den gewählten Ausschnitt zu einem Stilleben der Metropole in der Moderne. Eva Besnyö machte eine Ausbildung bei dem bekannten Photographen Józef Pécsi, die sie nach zwei Jahren mit der Gesellenprüfung beendet. Sie selbst hat ihre Lehrjahre mit dem Erwachen aus einem Traum verglichen. Anschließend geht sie nach Berlin, das sie für moderner und avantgardistischer hält als Paris, das ihrer Mutter lieber gewesen wäre. Hier volontiert sie zunächst bei dem Pressephotographen Peter Weller und macht sich anschließend selbständig. Dieser Schritt war für die junge Photographin nicht unproblematisch, hatte sie doch bisher rein intuitiv gearbeitet und konnte ihrer Eingebung folgen. Nun musste sie die Aufträge der Kunden erfüllen. Ihre zwei Jahre in der deutschen Hauptstadt nutzte die Photo-Künstlerin dennoch für die Entwicklung einer eigenständigen Bildaesthetik, die zwar an der damals en voguen Stilrichtung des Neuen Sehens angelehnt schien. Dabei arbeitete sie ihren eigenen Stil heraus, der manchmal das Thema eigenwillig betont, Manchmal es auf ganz eigene Weise abstrahiert. Doch sollten die politischen Ereignisse Eva Besnyö auch hier rasch einholen. Ihr Vater hatte den Namen Blumengrund abgelegt, um seine jüdische Herkunft zu verschleiern und in Bresnyö eingetauscht. Nun begann auch in Deutschland der Antisemitismus gewalttätig zu werden. So geht die aufstrebende Photographin im Oktober 1932 nach Amsterdam. In den Niederlanden wird sie in Künstlerkreise aufgenommen. Sie bekommt verschiedene Ausstellungen und wird durch die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse immer politischer. Im Amsterdamer Arbeiterviertel Jordaan kommt es im Juli 1934 wegen Lohnkürzungen zum Aufstand. Zusammen mit einem Photographen und einem Architekten bezieht sie zu dieser Zeit ein kleines Reihenhaus in der Keizersgracht. Sie selbst sagte über diese stürmische Zeit: »Wir waren alle links und Antifaschisten, Bohemiens und Freigeister.« Eva Besnyö gehört zu einer Reihe herausragender Photographinnen, deren Bedeutung für die Photographie im 20. Jahrhundert immer stärker erkannt wird. Sie alle sind etwa zwischen 1895 und 1910 geboren und stammen zumeist aus assimilierten jüdischen Familien. Das Talent der Ungarin lag darin, den Dingen eine neue Sichtweise abzugewinnen, ohne in bereits vorgefundene Muster zu verfallen. So erschuf sie sich letztlich eine eigene aesthetische Welt – in Opposition zu den Zeitumständen, sowohl in Budapest wie auch später im braun werdenden Berlin oder im besetzten und vor Armut erstarrten Amsterdam. Die Ausstellung im Verborgenen Museum in der Berlinischen Galerie (noch bis zum 27. Februar 2012) ist die erste Retrospektive der Künstlerin mit vintage prints. Sie dokumentiert das bedeutende Werk einer enthusiastischen Photo-Aesthetin, die der Photographie insbesondere zu Beginn des vorigen Jahrhunderts eine völlig eigenständige Facette beisteuerte, auch wenn ihr Werk heute leider nur noch teilweise erhalten ist. Das Katalogbuch zur Ausstellung dokumentiert die ausgestellten Werke zum Teil großformatig. Hilfreich ist eine ausführliche Biographie. Ausführliche Essays verdeutlichen die Lebensumstände der engagierten Künstlerin, die ihr Schaffen diesen Bedingungen häufig abringen musste.

Eva Besnyös Vater hatte ihr Talent als Photographin erkennt – und förderte es. Auch wenn er eigentlich gewollt hatte, dass seine Tochter studiert. Er schenkte ihr mit 19 Jahren die wegweisende Publikation Die Welt ist schön von Albert Renger-Patzsch und eine Rolleiflex. Diese heute legendäre zweiäugige Spiegelreflexkamera war gerade im Frühjahr desselben Jahres 1929 auf den Markt gekommen.

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Die Photographie-Besessene junge Frau streifte durch ihre Heimatstadt Budapest und sah die Umgebung durch das Kameraauge:

»Am Anfang war es das reine Vergnügen zu sehen, zu tun und sich zu freuen. Ich war total unvoreingenommen«, beschrieb sie Jahrzehnte später in einem Interview-Buch ihre anfängliche Einstellung. Und weiter: »nun war ich dabei, die Stadt in einer Weise zu erfahren, und auszuprobieren, die völlig neu für mich war(...) Es spielte sich zwischen mir und der Kamera ab. Ich hatte nur ein Verlangen, eine gute Fotografin zu sein.«

Ihre von damals erhaltenen Bilder zeugen von ihrem besonderen Blick: Das Alltägliche wird durch den beobachteten Moment und den gewählten Ausschnitt zu einem Stilleben der Metropole in der Moderne. Eva Besnyö machte eine Ausbildung bei dem bekannten Photographen Józef Pécsi, die sie nach zwei Jahren mit der Gesellenprüfung beendet. Sie selbst hat ihre Lehrjahre mit dem Erwachen aus einem Traum verglichen. Anschließend geht sie nach Berlin, das sie für moderner und avantgardistischer hält als Paris, das ihrer Mutter lieber gewesen wäre. Hier volontiert sie zunächst bei dem Pressephotographen Peter Weller und macht sich anschließend selbständig. Dieser Schritt war für die junge Photographin nicht unproblematisch, hatte sie doch bisher rein intuitiv gearbeitet und konnte ihrer Eingebung folgen. Nun musste sie die Aufträge der Kunden erfüllen. Ihre zwei Jahre in der deutschen Hauptstadt nutzte die Photo-Künstlerin dennoch für die Entwicklung einer eigenständigen Bildaesthetik, die zwar an der damals en voguen Stilrichtung des Neuen Sehens angelehnt schien. Dabei arbeitete sie ihren eigenen Stil heraus, der manchmal das Thema eigenwillig betont, Manchmal es auf ganz eigene Weise abstrahiert.

Doch sollten die politischen Ereignisse Eva Besnyö auch hier rasch einholen. Ihr Vater hatte den Namen Blumengrund abgelegt, um seine jüdische Herkunft zu verschleiern und in Bresnyö eingetauscht. Nun begann auch in Deutschland der Antisemitismus gewalttätig zu werden. So geht die aufstrebende Photographin im Oktober 1932 nach Amsterdam. In den Niederlanden wird sie in Künstlerkreise aufgenommen. Sie bekommt verschiedene Ausstellungen und wird durch die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse immer politischer. Im Amsterdamer Arbeiterviertel Jordaan kommt es im Juli 1934 wegen Lohnkürzungen zum Aufstand. Zusammen mit einem Photographen und einem Architekten bezieht sie zu dieser Zeit ein kleines Reihenhaus in der Keizersgracht. Sie selbst sagte über diese stürmische Zeit: »Wir waren alle links und Antifaschisten, Bohemiens und Freigeister.«

Eva Besnyö gehört zu einer Reihe herausragender Photographinnen, deren Bedeutung für die Photographie im 20. Jahrhundert immer stärker erkannt wird. Sie alle sind etwa zwischen 1895 und 1910 geboren und stammen zumeist aus assimilierten jüdischen Familien. Das Talent der Ungarin lag darin, den Dingen eine neue Sichtweise abzugewinnen, ohne in bereits vorgefundene Muster zu verfallen. So erschuf sie sich letztlich eine eigene aesthetische Welt – in Opposition zu den Zeitumständen, sowohl in Budapest wie auch später im braun werdenden Berlin oder im besetzten und vor Armut erstarrten Amsterdam.

Die Ausstellung im Verborgenen Museum in der Berlinischen Galerie (noch bis zum 27. Februar 2012) ist die erste Retrospektive der Künstlerin mit vintage prints. Sie dokumentiert das bedeutende Werk einer enthusiastischen Photo-Aesthetin, die der Photographie insbesondere zu Beginn des vorigen Jahrhunderts eine völlig eigenständige Facette beisteuerte, auch wenn ihr Werk heute leider nur noch teilweise erhalten ist.

Das Katalogbuch zur Ausstellung dokumentiert die ausgestellten Werke zum Teil großformatig. Hilfreich ist eine ausführliche Biographie. Ausführliche Essays verdeutlichen die Lebensumstände der engagierten Künstlerin, die ihr Schaffen diesen Bedingungen häufig abringen musste.

geschrieben am 07.12.2011 | 611 Wörter | 3755 Zeichen

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