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Lufthansa - Die ersten 100 Jahre


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Rezension von

Adrian Witt

Lufthansa - Die ersten 100 Jahre Es gibt Momente in der Geschichte, in denen der Mensch ?ber sich selbst hinausw?chst ? in denen K?hnheit die Schwerkraft besiegt und ein Traum, der Jahrtausende lang nur dem Himmel geh?rte, pl?tzlich Wirklichkeit wird. Die Erfindung des motorisierten Fliegens war ein solcher Moment: nicht blo? ein technischer Durchbruch, sondern eine Ersch?tterung des menschlichen Selbstverst?ndnisses, eine stille Revolution, die die Welt in ihrer ganzen Gr??e neu vermessen sollte. Was die Gebr?der Wright im Dezember 1903 in zw?lf fl?chtigen Sekunden ?ber den Sandd?nen von Kitty Hawk im US-Bundesstaat North Carolina bewiesen, war jedoch mehr als die ?berwindung der Schwerkraft ? es war der Auftakt zu einer ?ra, in der der Mensch zum ersten Mal wirklich begreifen konnte, wie klein die Welt und wie gro? seine M?glichkeiten waren. Was folgte, war ein Jahrhundert von atemberaubender Dichte: Weltkriege, die die Luftfahrt in den Dienst der Zerst?rung zwangen, und Friedensjahrzehnte, die sie zur Br?cke zwischen den V?lkern erhoben. Technologische Quantenspr?nge verwandelten den Himmel von einer Dom?ne der Waghalsigen allm?hlich in eine Selbstverst?ndlichkeit des Alltags. Krisen kamen, Zusammenbr?che folgten, und doch gelang immer wieder der Neuanfang. Und mittendrin, als roter Faden durch all diese Widerspr?che, zieht sich die Geschichte einer Airline, die Deutschland mit der Welt verband, noch ehe sich Deutschland selbst wiedergefunden hatte. Die Lufthansa ist nicht einfach ein Unternehmen, das hundert Jahre ?berdauert hat. Sie ist ein Zeuge des 20. Jahrhunderts, geformt von seinen Br?chen, getragen von seinen Hoffnungen, und bis heute ein Symbol daf?r, dass Aufbruch, wenn er konsequent genug gedacht wird, st?rker ist als jeder R?ckschlag. Keine andere Fluggesellschaft verk?rpert diesen Weg so unmittelbar wie die Lufthansa ? diesen langen, widerspruchsvollen und zugleich bemerkenswert erfolgreichen Weg, den die zivile Luftfahrt in Deutschland genommen hat: von den fragilen Anf?ngen der Weimarer Republik ?ber den totalen Bruch des Zweiten Weltkriegs, die m?hsame Neugr?ndung in den 1950er Jahren bis hin zum Aufstieg zu einer der bedeutendsten Airlines der Welt. Dieser Weg ist nicht nur die Geschichte eines Unternehmens ? er ist in vielerlei Hinsicht auch die Geschichte eines Landes, das sich selbst neu erfinden musste, und das in der Luftfahrt ein Vehikel fand, um Modernit?t, Weltoffenheit und seine wirtschaftliche St?rke in die Welt zu tragen. Dass dieser Weg anl?sslich des in diesem Jahr gefeierten hundertj?hrigen Firmenjubil?ums mit der im Prestel Verlag erschienenen Publikation ?Lufthansa ? Die ersten 100 Jahre? (ISBN: 978-3-791-39388-9) in seiner ganzen Breite und Tiefe dokumentiert vorliegt, ist den renommierten Autoren Hartmut Berghoff, Manfred Grieger und J?rg Lesczenski zu verdanken. Ihr Werk ist zugleich eine Einladung an interessierte Leser, ein Jahrhundert Luftfahrtgeschichte zu durchdringen ? und mit ihr ein St?ck jener Welt, die das Fliegen ?berhaupt erst m?glich und schlie?lich unverzichtbar gemacht hat. Gegliedert in drei Hauptkapitel, die von einer umfassenden Einleitung, einem Vorwort des amtierenden Vorstandsvorsitzenden der Lufthansa AG Carsten Spohr sowie einem Gru?wort von Karl-Ludwig Kley, einem ehemaligen Vorstandsmitglied der Lufthansa AG, eingeleitet werden, offenbaren die insgesamt 396 Seiten ein Werk von beeindruckender Dichte: eine Gesamtdarstellung, die den Anspruch, Geschichte zu dokumentieren, mit dem Mut verbindet, sie zu deuten ? und die damit der Lufthansa ein Denkmal setzt, das ?ber das eigentliche Firmenjubil?um weit hinausgeht. In diesem Kontext nimmt das erste Kapitel der Publikation, das von Manfred Grieger, Honorar-Professor an der Georg-August-Universit?t G?ttingen, verfasst wurde, den Leser mit in jene Jahre, in denen die Luftfahrt noch kein selbstverst?ndliches Instrument der Mobilit?t war, sondern ein k?hnes Experiment ? getragen von Pioniergeist, staatlichem Ehrgeiz und einer Fluggesellschaft, die in der Beherrschung des Himmels ein Versprechen auf Gr??e erblickte. Die im Jahr 1926 gegr?ndete Deutsche Luft Hansa ? dem Vorl?ufer der heutigen Lufthansa ? entstand in der fragilen Atmosph?re der Weimarer Republik, in einer Zeit politischer Zerrissenheit und wirtschaftlicher Not. Und dennoch gelang ihr, was kaum jemand f?r m?glich gehalten h?tte: ein z?giger Aufstieg zu einer der leistungsf?higsten Fluggesellschaften Europas. Doch dieser Aufstieg hatte seinen Preis. Mit der Macht?bernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde die Lufthansa ? nunmehr mit neuem Namen ?, wie so vieles in jenen Jahren, zum Instrument eines Regimes, das Technologie nicht als Mittel der Verbindung, sondern der Kontrolle und schlie?lich der Vernichtung verstand. Was 1926 als ziviles Versprechen des Aufbruchs begann, endete im Jahr 1945 im totalen Zusammenbruch ? die Flugzeugflotte zerst?rt, die Routen gekappt und der Name vorl?ufig ausgel?scht. Das Verst?rende an der Darstellung von Manfred Grieger ist nicht die Trag?die als solche. Es ist vielmehr die Erkenntnis, wie bruchlos der ?bergang vom zivilen Pioniergeist zur milit?rischen Indienstnahme vonstattenging und wie wenig Widerstand eine Institution leistete, die sich dem Fortschritt verschrieben hatte. Manfred Grieger zeichnet diesen Bogen mit einer erstaunlich historiografischen Pr?zision und l?sst dabei sp?rbar werden, wie eng Unternehmensgeschichte und politische Geschichte in diesen ersten zwei Jahrzehnten miteinander verwoben waren. Demgegen?ber erz?hlt das zweite Kapitel der Publikation, das von J?rg Lesczenski, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Gesellschaft f?r Unternehmensgeschichte mbH, verfasst wurde, eine der bemerkenswertesten Wiedergeburten der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Aus den Tr?mmern des Krieges, in einem geteilten Land ohne eigene Lufthoheit, entstand im Jahr 1953 eine neue Lufthansa ? formal eine andere Gesellschaft, dem Geiste nach jedoch die Fortsetzung eines Projekts, das sich nicht hatte ausl?schen lassen. Was folgte, war ein bemerkenswerter Aufstieg, der die K?hnheit der Gr?nderjahre noch ?bertraf: In den Jahrzehnten des Wirtschaftswunders wuchs die Lufthansa von einer nationalen Staatsairline zu einem internationalen Carrier, der auf allen Kontinenten pr?sent war und das Bild eines modernen, weltoffenen Deutschlands in die Welt trug. J?rg Lesczenski zeigt dabei auf, wie das Unternehmen stets zwischen zwei Polen navigierte ? zwischen staatlichem Auftrag und unternehmerischer Eigenlogik, zwischen nationaler Symbolik und globalem Wettbewerbsdruck. Was dabei besonders ins Auge f?llt: Die Lufthansa war in diesen Jahrzehnten nicht nur Spiegel des deutschen Wiederaufstiegs, sondern auch sein aktivster Botschafter ? ein fliegendes Argument daf?r, dass Deutschland in der Welt wieder willkommen war. Kaum eine andere Institution hat diese stille diplomatische Funktion so konsequent und so wirkungsvoll erf?llt. Doch die Jahrzehnte von 1947 bis 1996 sind zugleich auch die Geschichte einer schrittweisen Emanzipation: von der Staatsairline zum Global Player und damit von der Nachkriegsinstitution zum selbstbewussten Akteur eines sich rasant ver?ndernden Luftverkehrs. Das dritte Kapitel schlie?lich, das von Hartmut Berghoff, Direktor des Instituts f?r Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universit?t G?ttingen, verfasst wurde und die Zeit zwischen 1997 und 2025 umfasst, f?hrt den Leser in eine ?ra, die an Komplexit?t und Widerspr?chlichkeit alle vorherigen Epochen noch ?bertrifft. Mit der deutschen Wiedervereinigung, dem Aufkommen der Billigflieger, den Schockwellen des 11. Septembers 2001, der Finanzkrise von 2008 und schlie?lich der existenziellen Ersch?tterung durch die Corona-Pandemie sah sich die Lufthansa mit einer Abfolge von Krisen konfrontiert, die das Unternehmen immer wieder an seine Grenzen f?hrten ? und die es dennoch, jedes Mal neu, zu ?berwinden verstand. Hartmut Berghoff zeichnet nach, wie die Lufthansa in diesen Jahren ihre Strategie grundlegend neu justierte: durch den Aufbau eines Konzernverbunds, die Integration weiterer europ?ischer Airlines und die Erschlie?ung neuer M?rkte in Asien und Amerika. Die st?rkste Beobachtung von Hartmut Berghoff ist dabei vielleicht diese: dass die Lufthansa in einer Epoche, die Geschwindigkeit ?ber Best?ndigkeit stellte und Disruption zur Tugend erhob, ausgerechnet durch das Festhalten an Gr??e, Struktur und Markenbewusstsein ?berlebte ? w?hrend andere, vermeintlich beweglichere Wettbewerber l?ngst verschwunden sind. Zugleich beleuchtet er die inneren Spannungen eines Unternehmens, das in einer Welt des permanenten Wandels seine Identit?t zu bewahren suchte ? und das bis heute, trotz aller Turbulenzen im globalen Wettbewerb, als einer der bedeutendsten Luftfahrtkonzerne der Welt dasteht. Abgerundet wird die Publikation schlie?lich durch ein sorgf?ltig zusammengestelltes Literaturverzeichnis, Bildnachweisen, ein Verzeichnis der Grafiken und Tabellen sowie eine Danksagung der Autoren ? alles Elemente, die gemeinsam den wissenschaftlichen Anspruch des Werkes unterstreichen und interessierten Lesern weiterf?hrende Orientierung bieten. Wer dieses Werk gelesen hat, blickt am Ende auf die Lufthansa mit anderen Augen ? nicht l?nger nur als Airline, sondern als ein Unternehmen, das Geschichte nicht blo? erlebt, sondern mitgeschrieben hat. Hartmut Berghoff, Manfred Grieger und J?rg Lesczenski haben mit ?Lufthansa ? Die ersten 100 Jahre? eine Publikation vorgelegt, die weit ?ber die klassische Unternehmenschronik hinausweist: Sie ist zugleich Zeitdokument, Geschichtsbuch und stille Hommage an den menschlichen Antrieb, immer wieder aufzubrechen ? auch dann, wenn der Horizont noch in weiter Ferne liegt.

Es gibt Momente in der Geschichte, in denen der Mensch ?ber sich selbst hinausw?chst ? in denen K?hnheit die Schwerkraft besiegt und ein Traum, der Jahrtausende lang nur dem Himmel geh?rte, pl?tzlich Wirklichkeit wird. Die Erfindung des motorisierten Fliegens war ein solcher Moment: nicht blo? ein technischer Durchbruch, sondern eine Ersch?tterung des menschlichen Selbstverst?ndnisses, eine stille Revolution, die die Welt in ihrer ganzen Gr??e neu vermessen sollte.

Was die Gebr?der Wright im Dezember 1903 in zw?lf fl?chtigen Sekunden ?ber den Sandd?nen von Kitty Hawk im US-Bundesstaat North Carolina bewiesen, war jedoch mehr als die ?berwindung der Schwerkraft ? es war der Auftakt zu einer ?ra, in der der Mensch zum ersten Mal wirklich begreifen konnte, wie klein die Welt und wie gro? seine M?glichkeiten waren. Was folgte, war ein Jahrhundert von atemberaubender Dichte: Weltkriege, die die Luftfahrt in den Dienst der Zerst?rung zwangen, und Friedensjahrzehnte, die sie zur Br?cke zwischen den V?lkern erhoben. Technologische Quantenspr?nge verwandelten den Himmel von einer Dom?ne der Waghalsigen allm?hlich in eine Selbstverst?ndlichkeit des Alltags. Krisen kamen, Zusammenbr?che folgten, und doch gelang immer wieder der Neuanfang. Und mittendrin, als roter Faden durch all diese Widerspr?che, zieht sich die Geschichte einer Airline, die Deutschland mit der Welt verband, noch ehe sich Deutschland selbst wiedergefunden hatte. Die Lufthansa ist nicht einfach ein Unternehmen, das hundert Jahre ?berdauert hat. Sie ist ein Zeuge des 20. Jahrhunderts, geformt von seinen Br?chen, getragen von seinen Hoffnungen, und bis heute ein Symbol daf?r, dass Aufbruch, wenn er konsequent genug gedacht wird, st?rker ist als jeder R?ckschlag.

Keine andere Fluggesellschaft verk?rpert diesen Weg so unmittelbar wie die Lufthansa ? diesen langen, widerspruchsvollen und zugleich bemerkenswert erfolgreichen Weg, den die zivile Luftfahrt in Deutschland genommen hat: von den fragilen Anf?ngen der Weimarer Republik ?ber den totalen Bruch des Zweiten Weltkriegs, die m?hsame Neugr?ndung in den 1950er Jahren bis hin zum Aufstieg zu einer der bedeutendsten Airlines der Welt. Dieser Weg ist nicht nur die Geschichte eines Unternehmens ? er ist in vielerlei Hinsicht auch die Geschichte eines Landes, das sich selbst neu erfinden musste, und das in der Luftfahrt ein Vehikel fand, um Modernit?t, Weltoffenheit und seine wirtschaftliche St?rke in die Welt zu tragen. Dass dieser Weg anl?sslich des in diesem Jahr gefeierten hundertj?hrigen Firmenjubil?ums mit der im Prestel Verlag erschienenen Publikation ?Lufthansa ? Die ersten 100 Jahre? (ISBN: 978-3-791-39388-9) in seiner ganzen Breite und Tiefe dokumentiert vorliegt, ist den renommierten Autoren Hartmut Berghoff, Manfred Grieger und J?rg Lesczenski zu verdanken. Ihr Werk ist zugleich eine Einladung an interessierte Leser, ein Jahrhundert Luftfahrtgeschichte zu durchdringen ? und mit ihr ein St?ck jener Welt, die das Fliegen ?berhaupt erst m?glich und schlie?lich unverzichtbar gemacht hat. Gegliedert in drei Hauptkapitel, die von einer umfassenden Einleitung, einem Vorwort des amtierenden Vorstandsvorsitzenden der Lufthansa AG Carsten Spohr sowie einem Gru?wort von Karl-Ludwig Kley, einem ehemaligen Vorstandsmitglied der Lufthansa AG, eingeleitet werden, offenbaren die insgesamt 396 Seiten ein Werk von beeindruckender Dichte: eine Gesamtdarstellung, die den Anspruch, Geschichte zu dokumentieren, mit dem Mut verbindet, sie zu deuten ? und die damit der Lufthansa ein Denkmal setzt, das ?ber das eigentliche Firmenjubil?um weit hinausgeht. In diesem Kontext nimmt das erste Kapitel der Publikation, das von Manfred Grieger, Honorar-Professor an der Georg-August-Universit?t G?ttingen, verfasst wurde, den Leser mit in jene Jahre, in denen die Luftfahrt noch kein selbstverst?ndliches Instrument der Mobilit?t war, sondern ein k?hnes Experiment ? getragen von Pioniergeist, staatlichem Ehrgeiz und einer Fluggesellschaft, die in der Beherrschung des Himmels ein Versprechen auf Gr??e erblickte. Die im Jahr 1926 gegr?ndete Deutsche Luft Hansa ? dem Vorl?ufer der heutigen Lufthansa ? entstand in der fragilen Atmosph?re der Weimarer Republik, in einer Zeit politischer Zerrissenheit und wirtschaftlicher Not. Und dennoch gelang ihr, was kaum jemand f?r m?glich gehalten h?tte: ein z?giger Aufstieg zu einer der leistungsf?higsten Fluggesellschaften Europas. Doch dieser Aufstieg hatte seinen Preis. Mit der Macht?bernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde die Lufthansa ? nunmehr mit neuem Namen ?, wie so vieles in jenen Jahren, zum Instrument eines Regimes, das Technologie nicht als Mittel der Verbindung, sondern der Kontrolle und schlie?lich der Vernichtung verstand. Was 1926 als ziviles Versprechen des Aufbruchs begann, endete im Jahr 1945 im totalen Zusammenbruch ? die Flugzeugflotte zerst?rt, die Routen gekappt und der Name vorl?ufig ausgel?scht. Das Verst?rende an der Darstellung von Manfred Grieger ist nicht die Trag?die als solche. Es ist vielmehr die Erkenntnis, wie bruchlos der ?bergang vom zivilen Pioniergeist zur milit?rischen Indienstnahme vonstattenging und wie wenig Widerstand eine Institution leistete, die sich dem Fortschritt verschrieben hatte. Manfred Grieger zeichnet diesen Bogen mit einer erstaunlich historiografischen Pr?zision und l?sst dabei sp?rbar werden, wie eng Unternehmensgeschichte und politische Geschichte in diesen ersten zwei Jahrzehnten miteinander verwoben waren. Demgegen?ber erz?hlt das zweite Kapitel der Publikation, das von J?rg Lesczenski, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Gesellschaft f?r Unternehmensgeschichte mbH, verfasst wurde, eine der bemerkenswertesten Wiedergeburten der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Aus den Tr?mmern des Krieges, in einem geteilten Land ohne eigene Lufthoheit, entstand im Jahr 1953 eine neue Lufthansa ? formal eine andere Gesellschaft, dem Geiste nach jedoch die Fortsetzung eines Projekts, das sich nicht hatte ausl?schen lassen. Was folgte, war ein bemerkenswerter Aufstieg, der die K?hnheit der Gr?nderjahre noch ?bertraf: In den Jahrzehnten des Wirtschaftswunders wuchs die Lufthansa von einer nationalen Staatsairline zu einem internationalen Carrier, der auf allen Kontinenten pr?sent war und das Bild eines modernen, weltoffenen Deutschlands in die Welt trug. J?rg Lesczenski zeigt dabei auf, wie das Unternehmen stets zwischen zwei Polen navigierte ? zwischen staatlichem Auftrag und unternehmerischer Eigenlogik, zwischen nationaler Symbolik und globalem Wettbewerbsdruck. Was dabei besonders ins Auge f?llt: Die Lufthansa war in diesen Jahrzehnten nicht nur Spiegel des deutschen Wiederaufstiegs, sondern auch sein aktivster Botschafter ? ein fliegendes Argument daf?r, dass Deutschland in der Welt wieder willkommen war. Kaum eine andere Institution hat diese stille diplomatische Funktion so konsequent und so wirkungsvoll erf?llt. Doch die Jahrzehnte von 1947 bis 1996 sind zugleich auch die Geschichte einer schrittweisen Emanzipation: von der Staatsairline zum Global Player und damit von der Nachkriegsinstitution zum selbstbewussten Akteur eines sich rasant ver?ndernden Luftverkehrs. Das dritte Kapitel schlie?lich, das von Hartmut Berghoff, Direktor des Instituts f?r Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universit?t G?ttingen, verfasst wurde und die Zeit zwischen 1997 und 2025 umfasst, f?hrt den Leser in eine ?ra, die an Komplexit?t und Widerspr?chlichkeit alle vorherigen Epochen noch ?bertrifft. Mit der deutschen Wiedervereinigung, dem Aufkommen der Billigflieger, den Schockwellen des 11. Septembers 2001, der Finanzkrise von 2008 und schlie?lich der existenziellen Ersch?tterung durch die Corona-Pandemie sah sich die Lufthansa mit einer Abfolge von Krisen konfrontiert, die das Unternehmen immer wieder an seine Grenzen f?hrten ? und die es dennoch, jedes Mal neu, zu ?berwinden verstand. Hartmut Berghoff zeichnet nach, wie die Lufthansa in diesen Jahren ihre Strategie grundlegend neu justierte: durch den Aufbau eines Konzernverbunds, die Integration weiterer europ?ischer Airlines und die Erschlie?ung neuer M?rkte in Asien und Amerika. Die st?rkste Beobachtung von Hartmut Berghoff ist dabei vielleicht diese: dass die Lufthansa in einer Epoche, die Geschwindigkeit ?ber Best?ndigkeit stellte und Disruption zur Tugend erhob, ausgerechnet durch das Festhalten an Gr??e, Struktur und Markenbewusstsein ?berlebte ? w?hrend andere, vermeintlich beweglichere Wettbewerber l?ngst verschwunden sind. Zugleich beleuchtet er die inneren Spannungen eines Unternehmens, das in einer Welt des permanenten Wandels seine Identit?t zu bewahren suchte ? und das bis heute, trotz aller Turbulenzen im globalen Wettbewerb, als einer der bedeutendsten Luftfahrtkonzerne der Welt dasteht. Abgerundet wird die Publikation schlie?lich durch ein sorgf?ltig zusammengestelltes Literaturverzeichnis, Bildnachweisen, ein Verzeichnis der Grafiken und Tabellen sowie eine Danksagung der Autoren ? alles Elemente, die gemeinsam den wissenschaftlichen Anspruch des Werkes unterstreichen und interessierten Lesern weiterf?hrende Orientierung bieten.

Wer dieses Werk gelesen hat, blickt am Ende auf die Lufthansa mit anderen Augen ? nicht l?nger nur als Airline, sondern als ein Unternehmen, das Geschichte nicht blo? erlebt, sondern mitgeschrieben hat. Hartmut Berghoff, Manfred Grieger und J?rg Lesczenski haben mit ?Lufthansa ? Die ersten 100 Jahre? eine Publikation vorgelegt, die weit ?ber die klassische Unternehmenschronik hinausweist: Sie ist zugleich Zeitdokument, Geschichtsbuch und stille Hommage an den menschlichen Antrieb, immer wieder aufzubrechen ? auch dann, wenn der Horizont noch in weiter Ferne liegt.

geschrieben am 22.06.2026 | 1314 Wörter | 8363 Zeichen

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